Fertigbauweise: Vorteile, Bauzeit und Kosten auf einen Blick

Kurze Bauzeiten, nachhaltige Baumaterialien und eine Festpreis-Garantie: Trotz all dieser Vorteile haben Fertighäuser in Deutschland nach wie vor mit einem eher schlechten Ruf zu kämpfen. Dabei wird mittlerweile jeder fünfte Neubau hierzulande in Fertigbauweise errichtet – ein Trend, der sich vermutlich auch in Zukunft fortsetzen wird.

Was ist ein Fertighaus?

Bauelement in Fertigbauweise

Während ein Massivhaus direkt vor Ort Stein für Stein errichtet wird, findet bei der Fertigbauweise ein Großteil der Arbeit im Werk statt. Die einzelnen Bauteile des Hauses werden in Produktionshallen hergestellt und erst nach ihrer Fertigstellung an die Baustelle geliefert. Dämmung und Versorgungsleitungen sind dabei meist schon vorinstalliert. Am Ende müssen die Einzelteile nur noch im Baukastensystem auf der zuvor eingelassenen Bodenplatte oder Kellerdecke montiert werden und schon steht das fertige Haus.

Bauweise und Materialien: Wie wird ein Fertighaus hergestellt?

Fertighäuser können im Prinzip aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt werden. Die meisten Anbieter setzen allerdings auf Holz, da dieses Baumaterial nicht nur beständig, sondern auch nachhaltig ist. Jedoch können Sie sich auch bei der Fertigbauweise für Beton oder andere Baustoffe entscheiden. Die Grenzen zum Massivhaus sind somit fließend.

Wenn Sie sich für ein Fertighaus aus Holz entscheiden, können Sie bei den meisten Herstellern zwischen 3 verschiedenen Bauweisen wählen:

  1. Holztafelbau: Beim Holztafelbau – auch Rahmenbauweise genannt – wird ein Holzrahmen mit einzelnen Holzplatten versehen. Diese Paneele werden meist noch in den Produktionshallen gedämmt und mit den nötigen Versorgungsleitungen für Wasser, Elektrik und Gas versehen.
  2. Holzständerbau: Beim Holzständerbau wird auf ein Ständerwerk gesetzt, das aus Querstreben besteht, die wiederum bis unters Dach reichen. Diese Skelettbauweise kommt auch bei Fachwerkhäusern zum Einsatz. Die Zwischenräume können Sie mit einem Material Ihrer Wahl füllen. Streben Sie ein möglichst modernes Design an, können Sie beispielsweise auf Glas setzen und Ihrem Fertighaus so eine offene Optik verleihen.
  3. Blockbauweise: Bei der Blockbauweise bestehen die einzelnen Wand- und Deckenteile aus massiven, aufeinandergestapelten Holzbohlen. Teils kommen hier sogar ganze Holzstämme zum Einsatz. Häuser in dieser Fertigbauweise werden häufig als Bungalow angeboten, überzeugen durch einen eher rustikalen Charme und zeichnen sich aufgrund der natürlichen Eigenschaften des Holzes durch eine hohe Energieeffizienz und ein gutes Raumklima aus.

Fertigbauweise: Vor- und Nachteile

Wenn es um den Bau der eigenen vier Wände geht, entscheiden sich immer mehr Menschen für ein Fertighaus. Einer der überzeugendsten Argumente ist dabei sicherlich die kurze Bauzeit. Sind die Einzelteile erst einmal fertig, kann das Haus innerhalb von wenigen Tagen errichtet werden. Der Innenausbau nimmt meist noch einmal 2 bis 8 Wochen in Anspruch. Insgesamt beträgt die Zeit ab Vorliegen der Baugenehmigung bis zum einzugsfertigen Neubau oft weniger als 1 Jahr.

Ein weiterer Vorteil der Fertigbauweise besteht in der hohen Kosten- und Planungssicherheit. Die meisten Verträge über Fertighäuser sehen einen Festpreis vor. Böse Überraschungen sind somit nahezu gänzlich ausgeschlossen. Sollte es doch einmal zu Problemen oder Verzögerungen kommen, steht Ihnen mit dem Hersteller des Fertighauses ein einziger Ansprechpartner für alle Belange zur Verfügung. Anders als beim Massivhaus müssen Sie sich hier nicht an die einzelnen Handwerker oder Dienstleister wenden. Der Bauträger koordiniert alle Arbeiten für Sie.

Auch was Sicherheit und Langlebigkeit angeht, sind Häuser in Fertigbauweise besser als ihr Ruf. Meist wird auf Holz als Basismaterial zurückgegriffen: Dieser Baustoff zeichnet sich nicht nur durch seine Stabilität aus, sondern ist als nachwachsender Rohstoff auch nachhaltiger als die Baumaterialien der meisten Massivhäuser. Durch die Dämmung der einzelnen Paneele kann außerdem eine hohe Energieeffizienz gewährleistet werden. Dadurch ist es auch möglich, Fertighäuser mit KfW-Krediten oder anderen Zuschüssen für energieeffizientes Bauen zu fördern.

Vorteile von Fertighäusern auf einen Blick

  • Hohe Planungssicherheit
  • Preisgarantie
  • Witterungsunabhängiger Bau
  • Kurze Bauzeit und verbindliches Fertigstellungsdatum
  • Hohe Energieeffizienz
  • Ökologische Baumaterialien
  • Hersteller bzw. Bauträger als zentraler Ansprechpartner für alle Belange

Bei den Nachteilen der Fertigbauweise wird häufig der geringe Gestaltungsspielraum genannt. Fertighäuser werden aufgrund dessen oft abfällig als „Haus von der Stange“ betitelt. Zwar handelt es sich in der Tat meist um standardisierte Muster, doch können Sie diese auch an Ihre persönlichen Anforderungen anpassen. Es ist mittlerweile sogar möglich, ein Fertighaus als Architektenhaus zu errichten und so einen gänzlich individuellen Neubau zu planen. Allerdings müssen Sie bedenken, dass jede Abweichung vom Standard oder Muster auch mit einem höheren Preis einhergeht.

Nachteilig ist außerdem, dass Fertighäuser im Allgemeinen einen geringeren Wiederverkaufswert erzielen. Experten gehen davon aus, dass ein Fertighaus nach 30 Jahren etwa 10 bis 15 Prozent weniger Geld bringt als ein vergleichbares Massivhaus.

Nachteile der Fertigbauweise auf einen Blick

  • Weniger Gestaltungsspielraum
  • Geringerer Schallschutz
  • Geringerer Wiederverkaufswert

Fertighaus: die verschiedenen Ausbaustufen im Vergleich

Fertighaus ist nicht gleich Fertighaus. Wenn Sie gemeinsam mit dem Hersteller Ihr Haus planen und es an die Vertragsgestaltung geht, müssen Sie sich für eine der folgenden Ausbaustufen entscheiden:

  1. Schlüsselfertiges Fertighaus: Bei einem schlüsselfertigen Fertighaus nimmt der Bauträger Ihnen so gut wie alle Arbeiten ab. Sie müssen das Haus am Ende nur noch abnehmen und einziehen. Doch Vorsicht: Der Begriff „schlüsselfertig“ ist nicht eindeutig definiert. Ein Haus kann auch dann als schlüsselfertig gelten, wenn die Wände noch nicht gestrichen sind oder der Boden noch nicht fertig verlegt ist. Überprüfen Sie das Kleingedruckte in Ihrem Vertrag und halten Sie die finale Ausstattung möglichst detailliert fest, um Enttäuschungen am Umzugstag zu vermeiden.
  2. Ausbauhaus: Bei einem Ausbauhaus steht zwar das Gebäude an sich, doch müssen Sie grundlegende Innenarbeiten selbst verrichten. Hierzu kann beispielsweise das Hochziehen von nicht tragenden Wänden zählen. Auch hier gilt: Prüfen Sie Ihren Vertrag genau! Nur so können Sie erkennen, was Sie am Ende noch in Eigenleistung verrichten müssen und wann Sie wirklich einziehen können.
  3. Bausatzhaus: Bei einem Bausatzhaus werden Ihnen lediglich die Einzelteile Ihres Hauses geliefert. Die Montage müssen Sie bei dieser Ausbaustufe selbst übernehmen. Zwar ist das Bausatzhaus am günstigsten, doch sollten Sie Ihr handwerkliches Geschick nicht überschätzen. Unterlaufen Ihnen Fehler, kann dies hohe Folgekosten nach sich ziehen. Auch Ihre Gewährleistung wird dadurch stark eingeschränkt. Da hier auch spezielle Werkzeuge und oft sogar ein Kran nötig sind, müssen Sie derartige Maschinen in der Regel mieten, was schnell teuer werden kann. Die erhoffte Ersparnis gegenüber einem Ausbauhaus fällt somit meist geringer aus als gedacht.

Kosten: Was kostet ein Fertighaus?

Wenn Sie sich online, im Katalog oder in einem Musterhauspark nach einem passenden Haus umsehen, werden Sie dort auch auf die jeweiligen Preise stoßen. Nehmen Sie diese jedoch nicht für bare Münze: Wie teuer Ihr Fertighaus am Ende wirklich wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu zählen:

  • Größe des Hauses
  • Individuelle Anpassungen
  • Ausstattung
  • Gewünschte Ausbaustufe

Kleine Fertighäuser mit Standardausstattung erhalten Sie bereits für etwa 150.000 Euro. Nach oben hin sind den Preisen für Fertighäuser kaum Grenzen gesetzt: Entscheiden Sie sich für einen großen, einzugsfertigen Neubau mit gehobener Ausstattung und Smart-Home-Vernetzung, kann Ihr Fertighaus Sie gut und gerne mehr als 350.000 Euro kosten.

Zahlungsplan: Wann und wie bezahle ich ein Fertighaus?

Wenn Sie sich für den Kauf eines Fertighauses entscheiden, wird zu Beginn meist ein Zahlungsplan erstellt. Üblich ist dabei eine Anzahlung von etwa 5 bis 10 Prozent der Bausumme. Diese ist fällig, sobald die Baugenehmigung vorliegt. Wurden die Einzelteile produziert und vor Ort montiert, müssen Sie noch einmal etwa 55 bis 60 Prozent zahlen. Sobald der Innenausbau erledigt ist, werden erneute 30 Prozent fällig. Den Rest zahlen Sie dann, wenn Sie das fertige Haus final abnehmen. Auf diesen Zahlungsplan sollten Sie also Ihre Baufinanzierung abstimmen.

Fertighaus kaufen: Tipps für den Vertrag

Wie zufrieden Sie am Ende mit Ihrem Fertighaus sein werden, steht und fällt mit dem Kaufvertrag. Denn dort lauern zahlreiche Stolperfallen. Zunächst ist es wichtig, die Ausbaustufe und Ausstattung des fertigen Hauses möglichst genau zu beschrieben. Lassen Sie sich nicht mit dem Wort „schlüsselfertig“ abspeisen, denn der Begriff ist nicht abschließend definiert. Legen Sie stattdessen genau fest, ob die Wände bereits verputzt und gestrichen sein sollen und ob der Boden schon verlegt und das Bad bereits gefliest sein soll.

Darüber hinaus sollten Sie auch darauf bestehen, dass das Fertigstellungsdatum eingetragen wird. Ein guter Vertrag betitelt dieses explizit als „Vertragsfrist“ oder „verbindliche Frist“. Nehmen Sie auch eine Vertragsstrafe in den Vertrag auf – für den Fall, dass der Bauträger nicht rechtzeitig fertig wird. Üblich ist hier eine Zahlung von etwa 1.500 Euro pro Monat Verzug.

Auch beim Preis sollten Sie auf einen Fixbetrag bestehen. So vermeiden Sie unerwartete Zusatzkosten. Verlangen Sie eine genaue Kostenaufstellung und lassen Sie sich auch explizit aufführen, welche Kosten nicht im Endpreis enthalten sind und zusätzlich berechnet werden könnten.

Checkliste für den Fertighaus-Vertrag

  • Detaillierte Beschreibung der finalen Ausbaustufe und Ausstattung
  • Fertigstellungsdatum als „verbindliche Frist“ gekennzeichnet
  • Vertragsstrafe für bauliche Verzögerungen
  • Genaue Kostenaufstellung und Fixpreis

Fazit: Ein Fertighaus ist längst kein Haus von der Stange mehr

Wenn Sie ein Haus bauen wollen, sollten Sie die Fertigbauweise nicht zu voreilig ausschließen. Es handelt sich hierbei mittlerweile um weit mehr als ein fertiges Haus aus dem Katalog. Ihnen stehen zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten und Bauweisen zur Verfügung. So können Sie ein Fertighaus grundsätzlich auch als massiv gebautes Architektenhaus planen und dennoch von einer kurzen, witterungsunabhängigen Bauzeit sowie hoher Planungssicherheit profitieren. Bedenken Sie allerdings, dass „fertig“ nicht immer „einzugsfertig“ bedeutet: Halten Sie vertraglich genau fest, wie Ihr Haus am Ende aussehen soll und wann Sie einziehen möchten. Nur so können Sie böse Überraschungen vermeiden.

Bildnachweis: benik.at / Shutterstock.com

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